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Wie man Wirtschaftsprüfer wird

 

Wirtschaftsprüfer ist erst mal ein Beruf wie viele andere. Aber das Phantom hinter dem Wirtschaftsprüfer kennen nur diejenigen, die die Prüfung dazu überstanden haben. Seit dem 30. Januar bin auch ich Wirtschaftsprüfer. Hier ist meine Geschichte dazu:

Wenn Sie im Duden nach „große Qual“ suchen, dann könnte als Synonym „Wirtschaftsprüferexamen“ geschrieben stehen. Das war extrem anstrengend. Meine Prüfungskollegen und ich mussten etwa zehntausend Seiten auswendig lernen. Das heißt eine Seite nach der anderen und dann wieder von vorne wiederholen. Meine Erfahrung war, dass zwei Sachen notwendig sind, um die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer zu bestehen:

Zuerst mal ist da diese Riesenmenge an Stoff, wie prägt man sich den nur ein? Ich habe ihn aufgeteilt in Tagesziele, mit denen ich oft erst um Mitternacht durch war. Wenn ich die erreicht hatte, hätte ich mich gerne zwischendrin mal mit etwas belohnt, wie es Freunde von mir vorgeschlagen haben. Aber dafür gab es wegen der 10.000 Seiten, und weil jeder Tag nur 24 Stunden hat, keine Zeit. Das heißt, das nächste auf dem Weg zum Wirtschaftsprüfer ist ...

... die Motivation. Wie bleibt man bei dem Pensum am Ball? Ich musste jeden Tag darum kämpfen, mich zu motivieren und motiviert zu bleiben. 16 Monate lang. Bis zum allerletzten Prüfungstag. Ich habe mir gesagt:  „Ich beende, was ich mir vorgenommen habe. Auch den Wirtschaftsprüfer.“ Und am nächsten Tag auch wieder. Und an dem danach.

Zwischendrin habe ich befürchtet, ich schaffe es nicht, weil das Durchhalten zermürbt. „Warum mache ich das bloß?“, habe ich mich an manchen Tagen gefragt und hatte keine Lust mehr. Dann bin ich in mich gegangen und habe gefunden: „Ich mache weiter, weil ich weitermachen will.“ Eigentlich stammt das von jemand anderem:
 
Helmut Schmidt soll mal gesagt haben, „Willen braucht man. Und Zigaretten.“ Das verstehe ich jetzt. Weil ich Nichtraucher bin, wäre es bei mir (Achtung Humor): Willen und Alkohol. Aber den konnte ich ja auch nicht trinken, weil ich einen klaren Kopf fürs Lernen brauchte. In den letzten knapp eineinhalb Jahren Vorbereitung für den Wirtschaftsprüfer habe ich nicht nur auf jeglichen Alkohol verzichtet, sondern auf alles.

Kein Privatleben, kein Wochenende, keinen Urlaub, kein richtiges Essen, keinen Sport, keinen Spaß, kein gar Nichts. Aber eines gab es, worauf ich nicht verzichten konnte: Fußball! Bundesliga und Champions League. Dafür habe ich immer Zeit gefunden. Außer:

Wenn der Vorbereitungskurs am Samstagnachmittag zu Ende war, konnte ich wegen meines Rückflugs um 18 Uhr nicht Fußball gucken. Bayern München hatte oft das Abendspiel um 18.30 Uhr, das war grausam. Und einmal habe ich zu allem Überfluss die Mannschaft von 1860 München am Flughafen getroffen, das war ganz schlimm.

Aber jetzt ist es geschafft! Und Sie glauben nicht, was für eine geniale Party ich am Schluss gefeiert habe.

S.E.

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