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Digitalisierung in Zeiten einer Pandemie

 

Ob Big Data, Business Intelligence, oder digitales Dokumentenmanagement – die Digitalisierung hat auch in der deutschen Wirtschaft längst Einzug gehalten. Aber jetzt, wo Millionen von Mitarbeitern im Home Office arbeiten und Studierende von zu Hause aus online lernen (und in Pausen im Netz surfen), erreicht das Internet ungeahnte Lastspitzen und stößt an seine Grenzen.

Netflix und Youtube drosseln ihre Streaming-Bitrate, damit die im Home Office Arbeitenden mehr Bandbreite des Netzes nützen oder überhaupt arbeiten können. Denn Clouds, Online-Konferenzen und Chats produzieren immense Datenmengen. Wir befinden uns in Sachen Digitalisierung also nicht auf der Höhe der Zeit, sondern ich erlebe ganz deutlich:

Dampfer vs. Schnellboot

Die digitale Entwicklung stolpert den aktuellen Ereignissen hinterher – das ist, was wir jetzt gerade erleben. Das Problem ist hierbei zunächst, dass die deutsche Regierung entgegen wiederholten Ankündigungen den Breitbandausbau zu wenig ambitioniert vorangetrieben hat. Ohne diesen gibt es aber leider kein schnelles, leistungsfähiges Internet. Daneben scheu(t)en sich viele Unternehmen, ausreichend und vorausschauend in die Digitalisierung zu investieren. Oft dieselben, die sich schwer tun, sich zu einem agilen Unternehmen zu wandeln. Ich spreche bewusst von einem agilen Unternehmen und nicht vom agilen Arbeiten: Etliche Unternehmen, besonders im Mittelstand, sind dem traditionellen Denken verhaftet. Das macht sie so unbeweglich wie einen Dampfer, aber um schnell auf Trends – oder ein Virus, das die Menschen nach Hause schickt – zu reagieren, muss man wendig wie ein Schnellboot sein. Wie schaffen das New-Economy-Unternehmen?

Erst fragil, dann agil

Ausgangspunkt für diese Flexibilität ist die IT. Sie ist der Schlüssel in Kombination mit Strukturen und Prozessen, die die Unternehmensführung erneuern muss. Interessanterweise steckt „agil“ im Wort „fragil“: Um agil vorgehen zu können, müssen Unternehmen nach innen orientierte Organisationsbereiche aufbrechen, „Ressortdenken“ vermeiden und den Fokus auf externe Unternehmens-Beziehungen verschieben. Vergessen Sie dabei nicht:

IT-Struktur vor Strategie

Eine bessere Zusammenarbeit und größere Nähe zu Kunden und Lieferanten benötigt zuverlässige und sichere IT-Schnittstellen. Verstehen Sie jetzt, wie wichtig die Digitalisierung ist? Sie ist zentrales Steuerungselement. Erst wenn die IT-Infrastruktur angelegt ist, können Unternehmen eine anpassungsfähige Geschäftsstrategie entwickeln, damit die Abteilungen agil auf Veränderungen von außen reagieren können. Dafür müssen sie selbst bekanntermaßen schneller entscheiden; denn wer nicht entscheidet, über den wird entschieden…

Fressen oder gefressen werden

Früher war die Wirtschaft mitunter ein Haifischbecken, in dem die Großen die Kleinen schluckten. Das hat sich gewandelt und Vordenker wissen es bereits seit Langem. Eberhard von Kuenheim (geb. 1928), ehemaliger Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der BMW AG, prägte schon 1989 den Satz „Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.“

Corona-Krise als Chance für Agilität

Die Corona-Krise kann eine große Chance hin zur Agilität von Unternehmen sein. Wenn z.B. Führungskräfte jetzt merken, dass sie auch vom Home Office aus das Unternehmen leiten können. Die aktuelle Situation ist nur ein Vorgeschmack. Denn in der VUCA-Welt ist „Business as unusual“ nicht der Notfall, sondern wird zum Normalfall. Den bewältigen Unternehmen allerdings nur mit einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur und dem absoluten Willen zur Veränderung. Dann können auch Netflix und Youtube wieder senden, wie sie wollen. Hallo, Digitalisierung!
 
D.M.

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