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Die Bedeutung von Digital Leadership

 

Die Digitalisierung ist ein nicht reversibler gesellschaftlicher Effekt, das ist Ihnen und mir nicht neu. Was neu ist, ist die Tragweite, mit der sie über die IT-Abteilungen hinausgeht und die kompletten Unternehmen betrifft, in denen sich die Menschen mit ihr vielseitig auseinandersetzen müssen. Wie weitreichend diese Entwicklung ist, kommt erst langsam in unseren Köpfen an.

Wenn Organisationen auf der Höhe der Zeit und des Marktes sein wollen, zwingt – oder besser ermöglicht – die Digitalisierung uns, auf neue Arten zu arbeiten: nicht nur Mitarbeiter, sondern vor allem Führungskräfte. Sie müssen überdenken, wie sie führen und ihre Fähigkeiten zu einer Digital Leadership erweitern. Doch was braucht es für Digital Leadership? Meine Antwort:

Digital Leadership ist ein Spiegel

Digital Leadership spiegelt die digitale Transformation der Arbeitswelt. Das heißt, mit dem strukturellen Wandel, der die Arbeitswelt derzeit umwälzt, müssen sich auch die Führungsmodelle wandeln, weil die traditionellen nicht mehr ausreichen. Eine Führungskraft, die Digital Leadership beherrscht, zeichnet sich hiermit besonders durch drei Eigenschaften aus, die die digitale Arbeitswelt mit sich bringt:

Agil

Agile Unternehmen brauchen zunächst eine gute IT-Infrastruktur als Basis ihrer Agilität, das habe ich an anderer Stelle kürzlich gesagt. Dann gehört zum agilen Unternehmen selbstverständlich agiles Arbeiten und damit agiles Führen: Agile Teams brauchen Führungskräfte, die sich mit agilen Methoden auskennen, damit sie sich mit beweglichem Mindset jeweils auf ihre Projekt-Teams einstellen und sie zielführend leiten können.

Flexibel

Flexibel müssen Digital Leaders dahingehend sein, dass sie neue Arbeitsmodelle zulassen. In der Corona-Krise können wir beispielsweise klar sehen, dass Mitarbeiter im Home Office und an Remote-Arbeitsplätzen auch mittels Videokonferenzen zusammenarbeiten und geführt werden können. So leiten Führungskräfte zeitlich und lokal unabhängig ihre Teams zu Ergebnissen.

Vielfältig

Vielfältig ist eine Führungskraft im Rahmen von Digital Leadership, wenn er/sie ein tiefgehendes Verständnis für die aktuelle Diversity in Unternehmen innehat. Durch den demografischen Wandel arbeiten heutzutage in den Organisationen drei höchst unterschiedliche Generationen – X, Y und Z – zusammen (über meine spannenden Erfahrungen mit der Generation Y habe ich bereits in einem Blog berichtet).

Heute geht es um die Herausforderung, die zum Teil äußerst unterschiedlichen Bedürfnisse, Hintergründe und Ideen dieser Mitarbeiter aufeinander abzustimmen. Wegen der unterschiedlich digitalen Prägung dieser drei Generationen pflegen diese Mitarbeiter jeweils andere Arbeitsweisen, mit denen wir Führungskräfte konfrontiert sind. Individuelles, generationenorientiertes Führen ist gefragt. Viele sprechen in diesem Zusammenhang auch von „partizipierender Führung“, die Hersey/Blanchard interessanterweise bereits in den 1970er Jahren für ihr (umstrittenes) Reifegradmodell entwickelt hatten. An dieser Stelle möchte ich die Digital Leadership mit einer vierten Eigenschaft ergänzen:

Beidhändig

Die Digitalisierung rückt, wie zuvor gesagt, den Menschen in den Mittelpunkt. Weil die Mitarbeiter sehr verschieden sind und unterschiedlicher denn je arbeiten, braucht eine Führungskraft Fingerspitzengefühl – an beiden Händen. Partizipation ist nicht immer geeignet, ebenso wenig wie alle Themen offen und transparent gehandhabt werden können. Wir können nicht in allen Bereichen agil vorgehen, sondern sollten in manchen weiterhin langfristig planen.

Im Sinne der Digital Leadership gilt es, Mitarbeiter und Ziele mit einer Hand im klassischen Stil und mit der anderen im Sinne der neuen VUCA-Welt – volatil-unbeständig, unsicher, komplex und ambiguus-mehrdeutig – situativ zu steuern. Es ist eine Herausforderung für Führungskräfte zu wissen, wann welche Hand besser passt.

Vergangenheit und Zukunft

Ich weiß nicht, ob sich Gottfried Wilhelm Leibniz darüber bewusst war, was er alles anstoßen würde, als er 1679 das Binärsystem erfunden hatte. Aber ich weiß, dass diese Entwicklung noch nicht zu Ende ist. Oder wie Jeffrey R. Immelt, von 2001 bis 2017 CEO und Chairman von General Electric, es formulierte:

„Digitale Transformation habe ich falsch verstanden. Ich dachte, es ginge nur um Technologie. Aber es steckt alles an, was wir tun.“

D.M.

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